„Um dich ist es aber still geworden!“ … „Von dir liest man aber wenig auf Twitter in letzter Zeit!“

Das waren Sätze, die ich in diesem Jahr auf dem HR BarCamp zu hören bekam. Und so wahr die Sätze waren, so sehr haben sie den Finger in eine offene Wunde gelegt. Seit Mitte 2016 hatten meine Interaktionen auf und mit Twitter deutlich nachgelassen. Dabei hatte ich es noch Ende 2015 in einem Vortrag der Reihe „AXA talks about digital“ als mein Lieblings-Netzwerk bezeichnet.

War war passiert?

Zum einen habe ich im April 2016 einen neuen Job angetreten, der mehr auf operative HR Themen fokussierte als meine alte Tätigkeit. Damit gehörte Social Media nicht mehr so sehr zu meinen beruflichen Aufgaben wie in den Jahren davor. Und dass eine neue berufliche Aufgabe gerade in der Anfangszeit auch mehr Zeit erfordert, hat ebenso dazu beigetragen, dass ich weniger Zeit für Twitter hatte. Gleichzeitig habe ich mehr Zeit in Instagram investiert, um dort meine Street Photography zu  präsentieren.

Aber nicht zuletzt hatte ich Twitter in der letzten Zeit als immer unübersichtlicher empfunden. Ich hatte ich immer öfter das Gefühl, in der Masse der Tweets zu ersticken und das (für mich) wichtige nicht mehr vom Unwichtigen unterscheiden zu können. Nachrichten habe ich wieder lieber im Feedly-Stream der abonnierten Portale und Blogs gelesen. Doch damit habe ich aber gerade das verloren, was ich an Twitter so geschätzt habe:

Feedreader lesen ist wie Fahren auf Schienen, Twitter ist Offroad.

Was habe ich geändert?

Ich habe überlegt, wie ich meine Twitter-Nutzung neu organisieren könnte und mich an einen älteren Post erinnert, der seit einiger Zeit in meinem Evernote lag und der versprach, mit zehn Minuten Twitter-Nutzung pro Tag auszukommen: How to Spend Only 10 Minutes Per Day on Twitter

Dieser Post empfiehlt kurz gesagt zwei Dinge: Die Nutzung von Hootsuite und von Twitter-Listen zur Organisation der eigenen Twitter-Timeline. Dies eröffnet einen Weg von der un- (bzw. vom Algorithmus vor-)sortierten, schwer zu übersehenden Masse an Tweets zu überschaubaren Tranchen, die nach den eigenen Bedürfnissen sortiert und priorisiert sind.

Was habe ich konkret gemacht?

Der Artikel auf Mashable empfiehlt zwei Dinge:

  1. Sortiere Twitter mit Listen und
  2. nutze Hootsuite, um die Tweets in diesen Listen priorisiert zu lesen.

Bei Hootsuite hatte ich mich ohnehin schon angemeldet, weil ich damit bequem meine mit der Kamera gemachten Streetphotos bei Instagram posten kann.  Also musste ich es jetzt also nur noch zur Nutzung von Twitter aktivieren und – wie auf Mashable empfohlen – zwei Tabs einrichten: Im ersten Tab wird der Stream der eigenen Tweets und Interaktionen verfolgt, im zweiten die einzelnen Listen.

Hinter dem Listen-System steckt die Idee, Tweets nach selbstgewählter Priorität getrennt anzuzeigen.  Jeder (gefolgte) User kann einer oder mehrerer Listen zugewiesen werden. Diese zeigen dann nur die Tweets und Retweets der enthaltenen User.

Nach einem ersten Ausmisten meiner Timeline und Entfolgen der Twitterati, die wenig für mich relevantes Twittern, habe ich die für mich relevanten Liste angelegt, beispielsweise zu den Themen HR, Digitalisierung und NewWork. Aber auch Listen mit Menschen, die mir persönlich wichtig sind und mit denen ich im Kontakt bleiben möchte. Und solche für meine Freizeitaktivitäten, für Nachrichtenportale (die ich aber lieber auf Feedly lese) und den Daily Gossip. Diese Listen habe ich als „privat“ angelegt, weil ich sie nur für mich persönlich nutzen und nicht mit anderen teilen möchte.

Die Zuordnung zu den Listen habe ich übrigens mit dem Twitlistmanager gemacht. Dieser zeigt die eine gefolgten Accounts und die Listen in einer übersichtlichen Matrix und ermöglicht eine schnelle Zuordnung. Tipp am Rande – Nach der Bearbeitung jeder Seite speichern nicht vergessen, sonst sind die Änderungen weg.

Zum Schluss habe dann in Hootsuite in der zweiten Tab die Listen hinzugefügt, von links nach rechts in der Reihenfolge meiner persönlichen Lesepriorität.

Wenn ich jetzt Twitter über Hootsuite starte, schaue ich zunächst durch die Reaktionen, die ich auf meine Tweets erhalten habe (leider werden in Hootsuite keine Favs angezeigt) und kann schnell mit anderen Nutzern in Kontakt bleiben.
Anschließend lese ich die Tweets in den entsprechenden Listen und zwar in der Priorität, die ich ihnen selbst zugeordnet habe. Manche Listen lese ich ausführlich und komplett, andere nur, wenn ich gerade Zeit und Lust habe.

Da Hootsuite eine automatische Vorausplanung von Tweets ermöglicht, kann ich meine Aktivitäten gut über den Tag verteilen, es gibt nicht mehr so viele gehäufte Tweets am morgen oder Abend, wenn ich die Zeit habe, Twitter zu lesen, sondern kleine Häppchen über den Tag verteilt.

Fazit

Das Versprechen, des Mashable-Artikels nur noch zehn Minuten täglich auf Twitter zu verbringen, halte ich zwar für sehr übertrieben, eine intensive Nutzung benötigt definitiv mehr Zeit.

Aber nach zwei Wochen mit diesem System kann ich sagen, dass ich wieder deutlich mehr Spaß an Twitter und an den Interaktionen mit meinem Netzwerk habe.  Twitter sehr viel überschaubarer geworden und ich habe nicht mehr das Gefühl, dass wichtige Informationen in der Masse der Tweets untergehen.

Ich kann den Ansatz nur sehr empfehlen – nicht um ihn eins-zu-eins zu kopieren, sondern zum Ausprobieren und Adaptieren.

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