Knapp eine Woche ist vergangen, seit wir am Dienstag rund 90% der Mitarbeiter*innen vom Head- ins Homeoffice geschickt haben. Mit dieser Maßnahme wollen auch wir als Unternehmen unserer Verantwortung gerecht werden und durch eine möglichst weitreichende Reduktion physischer sozialer Kontakte und Interaktionen zu einer Verlangsamung der Ausbreitung des neuartigen Corona-Viruses beitragen. #socialdistancing #flattenthecurve.

Was sind meine ganz persönlichen Erfahrung nach einer knappen Woche des totalen Homeoffice?

Zunächst haben sich Qualität und Schwerpunkt der Arbeit im Homeoffice grundlegend geändert. Wir haben immer schon Homeoffice gemacht – ein Tag pro Woche sind in meinem Team eher die Regel als die Ausnahme. Aus den unterschiedlichsten Gründen – sei es um einen Arzt- oder Handwerkertermin besser in den Tagesablauf integrieren zu können, unnötige Fahrzeiten zu vermeiden oder die Parkplatzsituation zu entlasten oder um konzentriert Themen abzuarbeiten, für die im Büro einfach die Ruhe fehlt. 

Für mich war meist der letzte Grund der Haupttreiber, um im Homeoffice zu arbeiten. Und gerade dieser Grund fällt nun weg. Wenn alle im Homeoffice sind und jeder Tag ein Homeofficetag ist, ist das Homeoffice weniger Rückzugsraum für Stillarbeit als Ort,  an dem eine Videokonferenz die nächste jagt. Mit diesem Perspektivwechsel muss ich erst einmal zurechtkommen. Und ich muss mir bewusst machen, dass ich nicht die gleichen Erwartungen an die Produktivität eines Homeofficetages stellen kann, wie in “normalen” Zeiten.

Videokonferenzen sind ein großartiges Tool, das uns in diesen Zeiten unendlich viel hilft und vernetztes Arbeiten eigentlich erst ermöglicht. Aber hier liegen Fluch und Segen nah beieinander. Optimal funktioniert die Technik noch nicht. Der gefühlt häufigste Satz dieser Woche war “Du bist gerade eingefroren! Was hast du in der letzten halben Minute gesagt?” Gerade auch vor dem Hintergrund dieser technischen Probleme sind Videokonferenzen für mich deutlich anstrengender als face to face Meetings. Sie erfordern eine höhere Konzentration und mehr Moderation, weil durch die Latenz der Übertragung gerne mal mehrere Personen gleichzeitig zu sprechen beginnen. 

Aus diesem Grund werde ich die Zahl der Meetings in der nächsten Woche soweit möglich reduzieren und vor allem auf Pausen zwischen zwei Terminen achten. Sind back to back Meetings schon in physischer Form ein Graus, so empfinde ich es Online als noch schlimmer. Nicht zuletzt weil es nicht einmal den kurzen Raumwechsel zwischen zwei Terminen gibt. Hier müssen wir mehr auf uns achten, die Agenda sorgfältiger planen und uns Freiräume schaffen. Auch wenn sich dadurch vielleicht manche Themen verlangsamen. 

Gleichzeitig bieten die vielen Videocalls auch Vorteile. Ich habe noch nie so viele Einblicke in die Wohnungen meiner Kolleg*innen bekommen wie in der letzten Woche. Vielleicht starten wir in der nächsten Woche mal mit virtuellen Wohnungsführungen. Auch die Kolleg*innen selbst sind aus meiner Sicht noch ein Stück authentischer. Homeoffice ist doch noch viel mehr Hoodie-Time als Büro. 

Und wenn dabei doch noch viele soziale Interaktionen fehlen, werden wir in den nächsten Wochen vielleicht auch noch ein paar Dinge ausprobieren, um dies auszugleichen. Vielleicht mal eine virtuelle Mittagspause bei der jeder vor dem Rechner isst und wir halbwegs normale Pausengespräche führen können. In zwei Wochen  hätten wir ein Teamevent in einer Tapasbar gehabt. Hier werden wir uns wohl auch abends vor den Rechnern treffen, vorher die Rezepte austauschen und dann getrennt gemeinsam kochen und essen. 

Zum Abschluss dieses Rückblicks bin ich froh, dass ich einen Tätigkeit ausübe, die ich mit sehr geringen Abstrichen problemlos aus dem Homeoffice erledigen kann. Denn wenn ich damit natürlich auch einen Beitrag für die Allgemeinheit leiste, schütze ich nicht zuletzt auch mich selbst und meine Partnerin. Daher kann dieser Post nicht enden, ohne meinen Dank und Respekt an diejenigen, die ihren Dienst an der Allgemeinheit im direkten Kontakt zu uns leisten und sich dafür immer auch einer Infektionsgefahr aussetzen. Und mein Mitgefühl auch denen, die gern aus dem Homeoffice arbeiten würden es aber aufgrund der Tätigkeit nicht können und zur Untätigkeit verbunden mit großen Ängsten um den Job verdammt sind.

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